?

Log in

No account? Create an account

Nomen est Omen
aj_snow
Diese Geschichte, bzw. etwas zu diesem Thema wollt ich schon lange mal schreiben.
Im Tatort dachte ich immer, Boerne sei locker 1.80m gross (liegt vermutlich am Direktvergleich mit Alberich, Thiel und Nadeshda.....)!
Jedenfalls war ich einigermassen erstaunt, als ich realisiert habe, dass JJL in Natura (mit Hut) kaum grösser ist als ich (mit flachen Schuhen...) ;-)
Daher diese Idee. Ich bin zwar nicht ganz glücklich mit dem Ende... Aber irgendwann wollte ich sie dann loswerden, die Story...!



Sie kannten sich inzwischen schon lange und hatten sich aneinander gewöhnt!
Thiel hatte sich daran gewöhnt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit mehr oder weniger nützlichen Infos aus dem unerschöpflichen Fundus von Wissen des Professors versorgt zu werden und dieser hatte sich daran gewöhnt, am Sonntag Abend die Fussballresultate zu checken, um am Montag je nach dem zu gratulieren oder zu kondolieren...
Sie hatten sich an Opernmusik und Klaviersonaten, an St. Pauli Shirts und Käsebrot, an Kalbsledersitze und Fahrradgepäckträger und sogar an Wilhelmine Klemm und Herbert Thiel gewöhnt......

Woran sie sich beide aber nur sehr schwer gewöhnen konnten, waren ihre Vornamen....

„Boerne, findest du es nicht etwas daneben, mich weiterhin mit meinem Nachnamen anzureden?“
Boerne grinste. „Da du denn Satz mit „Boerne“ begonnen hast, gehe ich davon aus, dass du keine ernsthafte Antwort erwartest!“
Auch Thiel konnte sich ein Lächeln nicht ganz verkneifen. „Eigentlich schon, sorry, aber Karl-Friedrich ist mir einfach zu umständlich. Und ausserdem klingt es, als wärst du 70 ...“
Boernes Augen weiteten sich und die Antwort auf diese Frechheit kam wie aus der Pistole geschossen: „Naja, Frank ist auch nicht gerade besonders kreativ, das klingt nach einer Abkürzung, irgendwie, als hätten deine Eltern nicht weiter gewusst. Ausserdem ist Karl-Friedrich ein SEHR geschichtsträchtiger Name. Es gibt viele bedeutende Persönlichkeiten, mit diesem Namen!“
„Hmmm, mir fällt da spontan nur Karl Dall ein. Der ist im besten Falle lustig, aber nicht besonders bedeutend.“
„Ja genau, Karl Dall.... also an den habe ich natürlich nicht gedacht! Ich dachte beispielsweise an Karl Marx, das war eine schillernde Persönlichkeit und sogar ein Preusse! Oder auch Carl Lewis, der erfolgreichste Leichtathlet aller Zeiten! Das sind Karl’s vom besten Schrot und Korn.“ Boerne war sichtlich zufrieden mit seiner Aufzählung und wartet auf die Reaktion des Kommissars.

„Na, na, halt du mal den Ball flach BOERNE, Karl Marx ist auch nicht gerade unumstritten und über den besten Leichtathleten aller Zeiten reden wir noch, Usain Bolt ist noch jung.
Ich finde Karl-Friedrich weiterhin fürchterlich. Als hätte ein Name nicht gereicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Eltern einem Kind das sie lieben, einen solchen Namen geben!“
„Thiel, das ist ein Frage der Tradition und des Brauchtums. Doppelnamen haben in unserer Dynastie eine lange Tradition und meine Eltern waren sich ihrer Verantwortung bewusst.
Nenn du mir doch einen grossartigen Frank, wenn dir einer einfällt. Und komm mir nicht mit Ribéry, erstens ist er Fussballer und zweitens ungefähr halb so alt wie du...“
„Siehst du Boerne, Ribéry ist halb so alt wie ich. Da kannst du sehen, wie sich der Name durchgesetzt hat. Frank ist ein Name mit Vergangenheit und Zukunft.“

„Und wer war wohl die Inspiration? Warum haben deine Eltern dir denn Namen gegeben? Vermutlich wegen Frank Elstner, na wunderbar! Ein Österreicher, der die deutsche Fernsehlandschaft erobert hat, meine herzlichste Gratulation!!“
Damit entlockte er Thiel nur ein müdes Lächeln: „Meinetwegen, mit einem Österreicher kann ich leben. Karl der Grosse kennt ja jedes Kind, aber gab’s eigentlich auch Friedrich der Grosse?“
„Natürlich mein lieber Thiel. Friedrich II war auch als Friedrich der Grosse bekannt. Er war König von Preussen und Kurfürst von Brandenburg. Der hat unter anderem den Habsburgern Schlesien abgeknöpft und Preussen zu einer gefürchteten Weltmacht gemacht, ausserdem ...!

„Ist okay Karl! So genau wollt’ ich’s eigentlich gar nicht wissen. Aber ist schon toll! In der Geschichte gab’s Karl den Grossen, gab’s Friedrich den Grossen und ich darf mich nun mit Boerne dem GANZ Grossen rumärgern!“ Trotz dem theatralischen Seufzer konnte sich Thiel sein Grinsen nicht verkneifen.
Boerne wusste nicht so Recht, was er darauf antworten sollte, freundete sich aber mit dem Gedanken an, dass da etwas dran sein konnte. Aber Thiel war noch nicht fertig:
„Naja, 1.76m, das ist doch mindestens 3 cm unter dem deutschen Durchschnitt.“
Und die Inspiration meiner Mutter war übrigens nicht Frank Elstner, sondern „The Voice“ himself...
Da war Boerne für einmal sprachlos, aber wie wir alle wissen, nur ganz kurz......

Haustier
aj_snow
Thiel öffnete die Haustüre und betrat seine dunkle, leere und kalte Wohnung.
Die Kälte, die er spürte, war aber eher subjektiver Natur. Mit der Heizung war soweit alles in Ordnung... Trotzdem kam ihm die Wohnung kalt und verlassen vor.
Wieder einmal kam ihm ein Gedanke, den ihn schon länger nicht mehr los lies. Nach einigem Suchen fand er seinen Mietvertrag in seiner „Pendenzen ganz unterste Priorität“ Schublade. Er überflog das Papier und stellte fest, dass sein Anliegen vertraglich nicht geregelt war, er würde also Boerne fragen müssen.
Schon länger wünschte er sich etwas mehr Leben und etwas weniger Einsamkeit in seiner Wohnung.

Mit diesen Gedanken und einigermassen frustriert setzte er sich mit einer Flasche Bier vor den Fernseher und legte die Füsse auf den Tisch.
Etwas 15 Minuten später, er war gerade dabei zu entscheiden, ob er sich noch ein Bier holen wollte, klingelte es an der Tür und keine 3 Sekunden später stand der Professor schon im Türrahmen.

„N’abend Boerne, wenn sie gleich nach dem Klingeln eintreten, können sie sich das Klingeln auch schenken“ knurrte Thiel zur Begrüssung in Richtung des Rechtsmediziners.
„Herr Thiel, auch ich wünsche ihnen einen schönen Abend! Ich wollte keine Zeit verschwenden und dachte, bis sie sich vom Sofa hochgekämpft haben, kann ich auch gleich selber die Tür öffnen. Ich habe im Fall von Timo Weiss noch eine interessante Entdeckung gemacht.....“

Damit begann K.F. Boerne einer seiner ebenso informativen wie gefürchteten Monologe. Die nächsten fünf Minuten erklärte er Thiel total euphorisch was es mit den Verletzungen des Toten auf sich hatte, was er ein paar Stunden vor seinem Tod gegessen hatte und das er wohl auch Drogen nicht gänzlich abgeneigt gewesen war. Im Weiteren erklärte er Thiel, wie er weiter ermitteln solle, ich welcher Gegend er sich umhören solle und hatte den Fall aus seiner Sicht schon so gut wie gelöst.

Thiel seufzte. SO viel Leben in seiner Wohnung war ihm nun doch etwas too much...!

„Danke Boerne, ich hoffe, sie sind nicht besonders traurig, wenn ich mich erst Morgen wieder um unseren Fall kümmere. Ich hätte aber noch eine private Frage: In unserem Mietvertrag ist Haltung von Haustieren gar nicht erwähnt. Heisst das nun, dass Haustiere erlaubt sind oder nicht?“

„Mein lieber Thiel, da die Haltung von Haustieren nicht erwähnt ist, ist sie auch nicht explizit verboten. Selbstverständlich müssen sie solche Anliegen zuerst mit ihrem Vermieter, sprich mit mir, absprechen. Einem zumutbaren Haustier steht grundsätzlich nichts im Wege, solange sie mir keine Dromedare, Alligatoren oder ähnliches anschleppen....!“

Thiel grinst über die geschäftigen Gesten seines Nachbars und Vermieters. Boerne liebt es einfach, wenn er einen Unwissenden belehren konnte und blühte sichtlich auf dabei.
„Ach ne, keine Angst, ich werde mir keine Exoten anschaffen. Wenn überhaupt, wird es sich um ein „zumutbares“, wie sie so schön sagten, Haustier handeln!“

„An was haben Sie denn gedacht?“

„Am Liebsten hätte ich eigentlich einen Hund.....“
„Aber Thiel, wenn ich mich da an ihre Begeisterung für Wotan erinnere....! Ich kann mir sie beim besten Willen nicht als Hundehalter vorstellen. Ausserdem habe sie definitiv zu wenig Zeit für einen Hund. Einen Hund muss man regelmässig ausführen, erziehen und beschäftigen! Nicht, dass ihnen etwas Bewegung schaden würde, aber denken sie an den Hund, der hätte ein trauriges Leben bei ihnen.“
„Wotan ist kein Hund, Wotan ist ein KALB! Aber ansonsten haben sie Recht, für einen Hund fehlt mir wirklich die Zeit.“

„Eine Katze? Katzen sind Einzelgänger, da hätten sie schon etwas gemeinsam.“
„Nööö, Katzen mag ich nicht. Ausserdem sind sie genau so ein Einzelgänger wie ich Herr Professor.“
„Sehr gut, denn eine Katze hätte ich ihnen verboten, ich habe eine Katzenhaar Allergie. Katzenhaare dringen durch jede Ritze. Wenn sie zum Beispiel in einem vierstöckigen Haus in der Wohnung im Erdgeschoss eine Katze halten, verspreche ich ihnen, dass sie auch noch im Dachgeschoss Katzenhaare finden werden...“
„Boerne, habe ich nicht gesagt, dass ich keine Katzen mag....?“
„Doch“
„Also, wieso erzählen sie mir den irgendwas über Katzenhaare, das mich nicht im Geringsten interessiert?“
„Thiel, Wissen ist Macht, sehen sie es als Beitrag an Ihre Allgemeinbildung....“
„Mhmmm...“

„Ihre Artikulationsfähigkeit ist wie immer bemerkenswert. Was halten sie von Papageien und Kanarienvögeln? Ich sage ihnen, schlagen sie sich sämtliches Federvieh aus dem Kopf! Diese Viecher sind die grössten Parasitenschleudern, die sie sich vorstellen können.“
„Boerne, wie reden sie über unseren gefiederten Freunde? Aber seinen Sie beruhigt, schräge Vögel habe ich den ganzen Tag um mich rum und auf eine private Milbenzucht habe ich auch keine Lust.“

„Das beruhigt mich wirklich sehr! Vielleicht wäre eine kleine Schlange etwas? Genügsam, ziemlich pflegeleicht und ungefähr so unterhaltsam wie sie an schlechten Tagen, Herr Thiel.“
Das Grinsen konnte sich Boerne bei dieser Bemerkung selber nicht verkneifen und darum fiel auch Thiels Kommentar nicht gehässigt, sondern nur sehr knapp aus:
„Ich dachte keine Exoten....“!

In den letzten paar Minuten war Thiel etwas anderes aufgefallen: er wollte gar nicht wirklich ein Haustier. Das war einfach nur eine schlechte Idee gewesen, die aus einem Gefühl der Einsamkeit entstanden war. Ganz klar ein schlechtes Motiv, ein Tier zu halten.

„Wissen Sie was Boerne, vergessen sie unser Gespräch einfach, mir ist gerade bewusst geworden, dass ich gar kein Haustier will.“
„Aber Thiel, woher den dieses plötzliche Umdenken.“
„Keine Ahnung wie ich auf die Idee kommen konnte, muss mich wohl da irgendwie verrannt haben. Keine Haustiere, definitiv!
In der Küche steht da eine Flasche Rotwein die ich geschenkt bekommen habe, können sie sich die bitte anschauen. Und wenn die ihren hohen Ansprüchen genügt, könnten sie auch noch gleich zwei Gläser mitbringen...“

Kopfschüttelnd und strammen Schrittes zog Boerne in Richtung Küche davon.
Thiel schmunzelte. Genau, beschäftigen und erziehen musste man Haustiere...
Er konnte Boerne ja kaum erzählen, dass er ihm Laufe ihres Gesprächs bemerkt hatte, dass er bereits so etwas wie das beste „Haustier“ der Welt hatte.

Keinesfalls genügsam, auch nicht pflegeleicht, sondern besserwisserisch, impulsiv und meist sehr anstrengend. Aber ziemlich selbständig, einigermassen stubenrein, nicht sonderlich bissig gegenüber Artgenossen und musste nicht Gassi geführt werden.
Ausserdem sehr unterhaltsam und das sicherste Mittel gegen sein Gefühl der Einsamkeit, dass ich manchmal überfiel.
Bei der Erziehung würde er einige Zugeständnisse machen müssen, da war nicht mehr viel zu retten. Aber für die Beschäftigung, für die sorgte er ja bereits seit Jahren. Bereits morgen würden Sie wieder gemeinsam böse Jungs jagen gehen.....
Bei diesem Gedanke stieg ein Bild von Kommissar Rex vor seinem inneren Auge auf und sein Grinsen wurde immer breiter.
Den Hundeblick hatte Boerne sogar auch schon drauf....

Kochen mit Boerne
aj_snow
Boerne kochte. Oder um es treffender zu formulieren: Er zelebrierte den Akt der Manufaktur einer Mahlzeit…!
Thiel, der im Treppenhaus geradezu genötigt worden war, Boerne Gesellschaft zu leisten, sass am Küchentisch und genoss das Spektakel…
Denn Kochen mit Boerne war nicht einfach die Zubereitung eines Essens. Kochen mit Boerne hatte zweifelsohne Event-Charakter… Fehlende praktische Erfahrung versuchte er mit Leidenschaft, angelesenem Halbwissen und purer Genialität zu kompensieren.
Er schwadronierte über die Kunst den Zustand „medium rare“ beim Chateaubriand perfekt zu treffen, verwandelte zeitgleich die Küche in ein Schlachtfeld, weihte Thiel in die Geheimnisse der mondphasenberüchsichtigten Kartoffelernte ein und erklärte ihm die genaue Herkunft des Bio-Gemüses, dass in der sündhaften teuren, speziell schonenden Niedergarpfanne vor sich hin garte…..!

„Boerne, es reicht! Ich verhungere hier, während sie nur rumlabern. Wieso schmeissen sie das Schnitzel den nicht einfach in die Pfanne, wenn sie schon so genau wissen, wie man es machen soll!

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Boerne seinen Nachbarn an. „Schnitzel? SCHNITZEL?? Ich bin schockiert!!! Thiel, hierbei handelt es sich um ein Chateaubriand, um das Doppellendensteak aus dem Herzen eines Rinderfilets. Das ist DAS Fleischgericht schlechthin. So etwas Gutes haben sie noch nie in ihrem Leben gegessen.“

Thiel zuckte mit den Schultern „Meinetwegen. Mir persönlich wäre Gulasch ebenso recht gewesen, es muss nicht so etwas Edles und Kompliziertes sein. Ich hab‘ Hunger!
Ausserdem mag ich keine Gerichte, deren Name ich nicht aussprechen kann.....!“

„Mein lieber Thiel. Wussten Sie eigentlich, dass das, was wir hier landläufig als ungarisches Nationalgericht bezeichnen, dem typischen Ungaren bestenfalls ein müdes Lächeln entlocken würde. Die Ungaren verwenden für ihr Gulyàs nämlich ausschliesslich……..“

„Boerne, Ruhe! Es interessiert mich überhaupt nicht, was der typische Ungare oder der typische Grieche oder meinetwegen auch der typische Boerne als Nationalgericht bezeichnet…! Ich werd‘ in der nächsten halben Stunde verhungern! Wenn das hier so weiter geht, dann wünsch‘ ich ihnen einen schönen Abend, geh‘ zu mir und bestell‘ mir eine Pizza. Der Pizzabote hat mir nämlich noch nie versucht zu erklären, wie glücklich seine Tomaten waren oder mit welcher Liebe der Kuh die Milch für den Mozzarella abgenommen wurde…..!“

„Oh Thiel, nur ein Banause wie sie wird jemals Mozzarella essen, der aus Kuhmilch hergestellt wurde. Also ein Feinschmecker wie ich, der lässt an seinen Gaumen nur Mozzarelle die Bufala Campana aus der Region Latium, der wird nämlich da seit Jahren von alten Italienerinnen nach Rezepten Ihrer Urahnen in Handarbeit……..“

Während dieser Belehrung in Sachen Käse war Thiel aufgestanden und dicht an Boerne herangetreten.
Zwischen zusammengepressten Lippen zischte er wütend hervor:
„Schluss, Aus, Ende!“
Und anschliessend etwas leiser, bedrohlicher und mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen:
„Wenn ich jetzt nicht schlagartig etwas Essbares auf den Tisch kriege, dann fress‘ ich SIE auf, komplett mit Haut und Haaren!“

Ein etwas verwirrter Boerne benötigte 2 Sekunden Reaktionszeit, bis er mit breiten, schon fast fiesem Grinsen antworten konnte:
„Darauf lass ich es zu gerne ankommen, vernaschen wäre noch besser…….!“